Sisi Rose Stiefvater, darf ich darauf kommen?
Sisi Rose: „Stiefvater, darf ich darauf kommen?“
Sisi Rose: „Stiefvater, darf ich darauf kommen?“ – diese provokante Frage aus dem Titel des neuen Buches von Autorin Sisi Rose sorgt für reichlich Aufsehen und provoziert zahlreiche Diskussionen. Doch was steckt hinter diesem skandalösen Titel? In ihrem neuesten Werk wagt sich die Autorin in die Tiefen der menschlichen Psyche vor und thematisiert Tabus, die in der heutigen Gesellschaft nur selten offen angesprochen werden.
Ein Blick hinter die Fassade
Sisi Rose hat sich in der deutschsprachigen Literaturszene längst einen Namen als mutige Stimme gemacht, die gesellschaftliche Tabus nicht scheut, sondern sie gezielt in den Fokus rückt. In ihrem Werk „Stiefvater, darf ich darauf kommen?“ geht sie einen Schritt weiter und hinterfragt nicht nur gesellschaftliche Normen, sondern auch die Grenzen von Intimität, Macht und Vertrauen innerhalb von Familienkonstellationen.
Die Geschichte folgt dem Leben der jungen Anna, die nach dem Tod ihrer Mutter mit ihrem Stiefvater allein zurückbleibt. Was zunächst wie ein klassischer Familienroman beginnt, entwickelt sich schnell zu einer tiefgründigen Erkundung von Abhängigkeit, Kontrolle und emotionaler Manipulation. Der Titel wirft bewusst Fragen auf: Um was für eine Art von „daraufkommen“ handelt es sich? Geht es um körperliche Nähe, emotionale Abhängigkeit oder um etwas noch Komplexeres?
Die Kunst der Provokation

Sisi Rose versteht es meisterhaft, mit Sprache zu spielen und den Leser*innen durch provokante Formulierungen aus der Komfortzone zu katapultieren. Der Titel allein reicht aus, um Reaktionen hervorzurufen – sei es Entsetzen, Neugier oder Ablehnung. Doch genau das ist die Absicht der Autorin: Sie will aufmerksam machen, diskutieren lassen und vor allem dazu bringen, über Dinge nachzudenken, die man lieber verdrängen würde.
In Interviews betont Rose immer wieder, dass es ihr nicht darum geht, Tabus zu brechen, um Aufmerksamkeit zu erregen, sondern um echte gesellschaftliche Debatten anzustoßen. „Wir leben in einer Zeit, in der wir über fast alles reden können“, sagt sie, „aber es gibt immer noch Themen, die im Dunkeln bleiben, weil sie unbequem sind.“
Tabuisierung und gesellschaftlicher Druck
Ein zentrales Thema des Buches ist die Art und Weise, wie unsere Gesellschaft bestimmte Beziehungsdynamiken tabuisiert und damit oft verhindert, dass Betroffene Hilfe suchen oder überhaupt erst erkennen, dass etwas nicht stimmt. Die Beziehung zwischen Anna und ihrem Stiefvater entwickelt sich langsam, fast unmerklich, und genau das macht sie so gefährlich. Es sind nicht immer offensichtliche Taten, die schaden, sondern oft die subtilen Machtspiele, die langsam das Selbstwertgefühl aushöhlen.
Sisi Rose zeigt eindrucksvoll, wie leicht es ist, in solche Fallen zu tappen, besonders wenn man emotional verletzlich ist. Anna verliert nach dem Tod ihrer Mutter nicht nur einen Elternteil, sondern auch ihren sicheren Halt. Ihr Stiefvater, der zunächst als Beschützer erscheint, nutzt diese Verwundbarkeit aus – nicht durch Gewalt, sondern durch emotionale Manipulation, durch scheinbare Fürsorge, die langsam zu Kontrolle wird.
Die Bedeutung von Sprache
Ein weiterer Aspekt, der das Werk von Sisi Rose auszeichnet, ist ihre sprachliche Präzision. Jeder Satz sitzt, jede Metapher hat ihre Wirkung. Sie schreibt nicht beschönigend, sondern direkt, schonungslos und oft unangenehm ehrlich. Doch gerade diese Ehrlichkeit ist es, die das Buch zu einer so kraftvollen Lektüre macht.
Die Autorin nutzt die Sprache nicht nur, um zu erzählen, sondern auch, um zu provozieren, zu reflektieren und zu hinterfragen. Sie fordert die Leser*innen auf, sich mit ihren eigenen Vorurteilen auseinanderzusetzen und zu überlegen, warum bestimmte Themen so schwer zu besprechen sind.